Geschichte: 1929 bis zur Gegenwart
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Wirtschaftskrise Der Republikaner Herbert
Hoover bat Arbeitgeber, auf Lohnkürzungen zu verzichten, und bemühte sich,
die Zinsen zu senken und die Preise in der Landwirtschaft zu stützen. 1932
stimmte er der Gründung der Reconstruction Finance Cooperation zu, die Banken
in Schwierigkeiten Geld lieh. Aber diese Maßnahmen
erwiesen sich als nicht ausreichend. Der Mehrzahl der arbeitslosen Arbeiter
hielten Hoover für gefühllos und machtlos, ihnen zu helfen. In der
Präsidentschaftswahl 1932 wurde er deutlich vom Demokraten Franklin D.
Roosevelt geschlagen, der einen "New Deal for the American people"
versprach. Der ehemalige Gouverneur
von New York State Roosevelt - flott, optimistisch und ein begnadeter Redner
- konnte das Vertrauen der Öffentlichkeit in einer Weise erwecken wie es
Hoover nicht konnte. "Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die
Furcht selber", sagte Roosevelt bei seiner Amtseinführung, und er führte
schnell Maßnahmen durch, um die Notlage zu handhaben. Innerhalb von drei
Monaten - den historischen "hundert Tagen" - hatte Roosevelt eine
große Zahl Gesetze im Kongreß durchgesetzt, die der Gesundung der Wirtschaft
dienen sollten. Der Civilian Conservation Corps (CCC) beschäftigte junge
Männer im Rahmen von Projekten, die der Aufforstung und der Flutkontrolle
dienten. Die Federal Emergency Relief Administration (FERA) unterstützte
Hilfsfonds auf lokaler und staatlicher Ebene, die durch die Wirtschaftskrise
aufgebraucht worden waren. Die Agricultural Adjustment Administration (AAA)
bezahlte Bauern für die Verringerung der Anbauflächen, wodurch die Preise für
die Ernten stiegen. Die Tennessee Valley Authority (TVA) baute eine Netzwerk
von Dämmen am Tennessee River, der südöstlichen Region der Vereinigten
Staaten, um Elektrizität zu gewinnen, Überflutungen zu kontrollieren und
Dünger herzustellen. Und die National Recovery Administration (NRA)
regulierte den "fairen Wettkampf" zwischen Unternehmen und sicherte
Verhandlungsrechte und Mindestlöhne für Arbeiter. 1935 führte der Social
Security Act die Rentenversicherung mit Beitragszahlung ein und die
Überlebendenpension, sowie eine Arbeitslosenversicherung. Die Works Progress
Administration (WPA) war einer der effektivsten Maßnahmen des "New
Deal". Durch Steuern finanziert, schaffte die WPA Millionen
Arbeitsplätze durch den Bau von Straßen, Brücken, Flughäfen, Krankenhäusern,
Parks und öffentlichen Gebäuden. Roosevelts New Deal
Programm beendete die Weltwirtschaftskrise nicht. Obwohl sich durch dieses
Programms der Regierungsintervention die wirtschaftliche Lage besserte, wurde
die völlige Erholung erst durch die Aufrüstung vor Amerikas Eintritt in den
Zweiten Weltkrieg bedingt. Der Zweite Weltkrieg Im fernen Osten hatten
japanische Truppen die Mandschurei (1931), China (1937) und das französische
Indochina (Juli 1941) eingenommen. Roosevelt beantwortete diese Aggression
mit dem Verbot amerikanischer Exporte von Altmetall, Stahl und Öl nach Japan
und dem Einfrieren japanischer Kredite in den USA. Am 7. Dezember 1941
griffen japanische Bomber, die auf Schiffen herbeigeschafft worden waren, den
Marinestützpunkt in Pearl Harbor auf Hawaii an. Bei diesem
Überraschungssangriff wurden acht Schlachtschiffe beschädigt und fast 200
Flugzeuge zerstört. Die Vereinigten Staaten erklärten Japan umgehend den
Krieg. Vier Tage später erklärten Japans Verbündete Deutschland und Italien
den Vereinigten Staaten den Krieg. 1941 besaßen die Japaner
eine große Marine und eine größere Anzahl Flugzeuge als die Vereinigten
Staaten mobilisieren konnten. Ein japanischer Sieg hing davon ab, ob Japan es
schaffen würde die Amerikaner zu schlagen, bevor diese ihre mächtige
Industrie auf Kriegsproduktion umstellen konnte. Japan schaffte dies nicht und
bald stellten die Vereinigten Staaten eine riesige Anzahl Schiffe, Flugzeuge
und Waffen her. Angetrieben von der
Angst, die Deutschen könnten eine Nuklearwaffe entwickeln, verwendete die
Regierung $2 Tausend Million auf das strengvertrauliche Manhattan Project,
welches 1945 eine Atombombe baute und testete. Amerikanische, britische
und russische Strategen einigten sich darauf, Deutschland zuerst zu schlagen.
Im November 1942 landeten britische und amerikanische Truppen in Nordafrika,
von wo sie 1943 nach Sizilien und auf das italienische Festland weiterzogen.
Am 4. Juni 1944 befreiten sie nach monatelangen erbitterten Kämpfen Rom. Zwei
Tage später, am 6. Juni, war D-Day. In der größten Operation über Wasser in
der Militärgeschichte landeten alliierte Truppen in der Normandie. Paris
wurde am 24. August befreit und im September standen amerikanische Einheiten
an der deutschen Grenze. Im Dezember 1944 starteten die Deutschen jedoch eine
Gegenoffensive in den Ardennen in Belgien. Es dauerte eine Woche bis sich die
Alliierten Truppen neuformatiert hatten und einen Monat, bis zum Gegenschlag
und der Erzwingung des deutschen Rückzuges. Diese Aktion wurde als der
"Battle of the Bulge" bekannt. Es war die letzte deutsche Offensive
im Zweiten Weltkrieg. Am 25. April 1945 trafen Alliierte Truppen schließlich
die vorwärtsrückenden Sowjetischen Truppen in der Stadt Torgau. Deutschland
kapitulierte am 5. Mai 1945. Im Pazifik hatten die
Japaner anfänglich eine Reihe schneller Siege. Bis Mai 1942 hatten sie die
Philippinen eingenommen und die Kapitulation von 11500 Amerikanern und
Philippinos erzwungen, die in Gefangenschaft brutal behandelt wurden. In
einer Atmosphäre der Kriegshysterie wurden 111000 Amerikaner japanischer
Abstammung, die in den westlichen Staaten der Vereinigten Staaten lebten, in
Lager gezwungen. Regierungsbeamte rechtfertigten dies Aktion als eine
Maßnahme gegen Sabotage und Spionage, aber kein Amerikaner japanischer
Abstammung wurde wegen eines unloyalen Aktes während des Krieges verurteilt
und viele kämpften tapfer im amerikanischen Militär. Am 8. Mai 1942 wurde die
japanische Bedrohung Australiens durch den Battle of the Coral Sea beendet.
Im Juni wurde die Hauptflotte der Japaner, die in Richtung Hawaii fuhr, im
Battle of Midway zurückgeschlagen und verlor vier Flugzeugträger. Im Laufe der nächsten
drei Jahre näherten sich amerikanische Truppen Japan mit der Strategie des
"Inselhüpfens" - der Einnahme strategischer Inseln im Pazifik und
der Übergehung anderer. Unter dem Befehl von General Joseph W. Stillwell
unterstützte eine alliierte Armee die Chinesen und Truppen unter dem Befehl
von General Douglas MacArthur kehrten im Oktober 1944 auf die Philippinen
zurück. Die zentrale Insel Iwo Jima im Pazifik fiel im März an die Amerikaner
und Okinawa im Juni 1945. B-29 Bomber flogen verheerende Angriffe auf
japanische Städte. Amerikanische Truppen
standen nun bereit für die Invasion der japanischen Inseln. In der Hoffnung,
den Krieg schnell beenden zu können, befahlt Präsident Harry Truman den
Einsatz der Atombombe in Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August). Am
14. August kapitulierte Japan. Fast 200000 Zivilisten waren bei dem
Nuklearangriff getötet worden, aber Experten des Militärs waren sich einig,
daß die Zahl der Verwundeten und Toten auf amerikanischer wie japanischer
Seite bei einer Invasion der Allierten in Japan sehr viel höher gewesen wäre.
Der Kalte Krieg 1947 schlug der
amerikanische Außenminister George C. Marshall ein umfangreiches
Hilfsprogramm für den Wiederaufbau Europas vor. Die UdSSR und die
osteuropäischen Ländern wurden zur Teilnahme aufgefordert, aber die Sowjets
wiesen das Angebot ab. Die Amerikaner erkannten, daß ein verarmtes Europa,
indem Entbehrungen und Verzweiflung weit verbreitet waren, empfänglich für
soziale und politische Entwicklungen war, die sich gegen die westlichen
Traditionen von individueller Freiheit und demokratischer Regierung wendeten.
Der Marshall Plan war ein großzügiges und überaus erfolgreiches Programm.
Über einen Zeitraum von vier Jahren zahlte es $12.5 Tausend Millionen als
Hilfe und baute die Wirtschaft in den westeuropäischen Ländern wieder auf. Im Mai 1947 begannen die
USA, der griechischen Regierung, die kommunistische Partisanen bekämpfte,
militärische Unterstützung zu schicken, ebenso wie der Türkei, die von der
Sowjet Union gedrängt wurde, Territorium abzugeben. Zu dieser Zeit erfolgte
die Teilung Deutschlands - in eine westliche Zone unter amerikanischer,
britischer und französischer Besatzung, und eine östliche Zone unter
sowjetischer Macht. Im Frühjahr 1948 sperrte die Sowjet Union den Zugang zu
Westberlin um die isolierte Stadt zu unterwerfen. Die westlichen Mächte
reagierten mit einer Luftbrücke ungeheuren Ausmaßes. Lebensmittel und
Brennstoff wurden bis Ende der Blockade im Mai 1949 eingeflogen. Einen Monat
zuvor hatten die Vereinigten Staaten sich mit Kanada, Britannien, Frankreich,
Belgien, den Niederlanden, Italien, Luxemburg, Norwegen, Dänemark, Island und
Portugal zur North Atlantic Treaty Organisation (NATO) zusammen geschloßen. Am 25. Juni, 1950 fiel
Nordkorea, ausgerüstet mit sowjetischen Waffen und mit Stalins Zustimmung, in
Südkorea ein. Präsident Truman sicherte umgehend von den Vereinigten Nationen
eine Zusage, daß sie Südkorea verteidigen würden. Amerikanische Truppen
wurden in den Kampf geschickt, die später durch britische, türkische,
australische, französische und philippinische Einheiten verstärkt wurden. Im
September 1950 hatten nordkoreanische Truppen einen Großteil Südkoreas
erobert. Die U.N. Truppen waren auf eine Gegend bei Pusan, an der südlichen
Spitze der koreanischen Halbinsel, beschränkt. Dann startete General Douglas
MacArthur einen mutigen Angriff über das Wasser auf Inchon in Zentralkorea.
Die nordkoreanische Armee wurde strategisch umgangen und vertrieben, und
MacArthurs Truppen wandten sich nach Norden, Richtung Yalu-Fluß, der Grenze
zwischen Korea und China. Im November griffen chinesische Truppen an und
zwangen die U.N. Truppen sich südlich des 38. Breitengrades (der Grenze
zwischen Nord- und Südkorea) zurück zuziehen. MacArthur befürwortete See- und
Luftangriffe auf China, aber Präsident Truman fand, daß eine solche Strategie
zu einem größeren Konflikt führen würde. Am 11. April 1951 enthob er
MacArthur seines Kommandos. Friedensverhandlungen begannen drei Monate
später, aber die Kämpfe hielten bis Juni 1953 an und das endgültige Abkommen
beließ Korea zweigeteilt. Viele Amerikaner,
frustriert durch das Patt in Korea und verärgert durch die kommunistischen
Übernahmen in Osteuropa und China, suchten nach "den dafür
Verantwortlichen" und sie kamen zu der Überzeugung, daß auch ihre
Regierung von kommunistischen Verbündeten infiltriert sein könnte. Der
republikanische Senator Joseph McCarthy behauptete, das Außenministerium und
das Militär seien voller Kommunisten. McCarthys sensationsheischende
Untersuchungen deckten keine Staatsfeinde auf, aber seine Anschuldigungen und
Verleumdungen zerstörten die Laufbahn zahlreicher Diplomaten. 1954, während
Live-Übertragungen im nationenweiten Fernsehen, wurde er als Schwindler
entlarvt und später vom Senat getadelt. Abweichende politische Meinungen zu
tolerieren ist eine der grundlegendsten und wichtigsten amerikanischen
Traditionen. Die McCarthy Ära war ein schwerer Abfall von dieser Tradition. Wohlstand und
Bürgerrechte In dieser Zeit bewegten
sich die Vereinigten Staaten langsam in Richtung Rassengleichheit. 1941 hatte
Präsident Truman aufgrund drohender afroamerikanischer Proteste die
Diskriminierung in der Kriegsindustrie aufgehoben. 1948 beendete er die
Rassentrennung im Militär und allen Bundesbehörden. 1954 legte das Oberste
Bundesgericht im Fall Brown v. Board of Education of Topeka, Kansas,
einstimmig fest, daß die Rassentrennung in öffentlichen Schulen
verfassungswidrig sei. Dennoch sperrten sich die Südstaaten weiterhin gegen
Integration. 1955 führte der Reverend Martin Luther King Jr., einen Boykott
der getrennten öffentlichen Verkehrsmittel an, der letztendlich die Trennung
in Stadtbussen in Montgomery, Alabama, beendete. 1957 versuchte der
Gouverneur von Arkansas den Besuch afroamerikanische Studenten von einer rein
weißen Schule in der Hauptstadt Little Rock zu verhindern. Um die Beachtung
des Gesetzes zur Integration durchzusetzen, setzte Präsident Dwight D.
Eisenhower Bundestruppen ein. Im selben Jahr wurden die
Amerikaner aufgerüttelt, als die Sowjet Union den ersten, von Menschen
gebauten, Satelliten - Sputnik - ins All schickten. Dies war ein Schock für
die Vereinigten Staaten, eine Nation, die immer stolz auf ihre technischen
Errungenschaften war. Als Antwort verstärkte die amerikanische Regierung die
Bemühungen einen Satelliten zu bauen und verwendete mehr Gelder auf den
Ausbildungssektor, insbesondere in den Naturwissenschaften. "New
Frontier" und "Great Society" Im Oktober 1962
entdeckten Aufklärungsflugzeuge, daß die Sowjet Union Nuklearraketen auf Kuba
errichtete. Sie lagen so nah an den Vereinigten Staaten, daß sie
amerikanische Städte innerhalb weniger Minuten erreichen konnten. Kennedy
setzte eine Blockade gegen Kuba durch. Der sowjetische Premier Nikita
Khrushchev stimmte schließlich im Gegenzug zu dem amerikanischen Versprechen
nicht auf Kuba einzufallen, dem Abbau der Raketen zu. Im April 1961 errangen
die Sowjets einen weiteren Sieg im Weltall: Yuri Gagarin war der erste Mann
in der Erdumlaufbahn. Präsident Kennedy reagierte mit dem Versprechen, daß
die Vereinigten Staaten vor Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond schicken
würden. Im Februar 1962 flog John Glenn als erster Amerikaner in die
Erdumlaufbahn und wurde zu Haus als Held begrüßt. Es kostete $24 Tausend
Millionen und jahrelange Forschungsarbeiten, aber Kennedys Versprechen wurde
gehalten. Im Juli 1969 trat Neil Armstrong aus der Apollo 11 Rakete und
betrat den Mond. In den 1960er Jahren
führte Martin Luther King Jr. eine friedliche Kampagne zur Aufhebung der
Rassentrennung in südlichen Restaurants, nationalen Buslinien, Theatern und
Hotels. Seine Anhänger trafen auf feindliche Polizisten, gewalttätige
Menschenmassen, Tränengas, Wasserwerfer und Elektroschockgeräte. Kennedys
Administration versuchte die Rechte der Bürgerrechtsarbeiter zu schützen und
das Wahlrecht für Afroamerikaner in den Südstaaten zu sichern. 1963 wurde Kennedy in
Dallas, Texas, ermordet. Er war nicht bei allen beliebt, aber sein Tod
schockierte die Nation. Neuer Präsident wurde
Lyndon Johnson, der unter Kennedy Vizepräsident war und durch dessen Tod zum Präsidenten
wurde. Er überzeugte den Kongreß, die "Civil Rights Acts of 1964"
(Bürgerrechtsgesetze von 1964) anzunehmen, durch die Rassendiskriminierung in
öffentlichen Einrichtungen und in allen Unternehmen, die Regierungsgelder
erhielten, verboten. Johnson wurde 1964 wurde mit großer Mehrheit für eine
weitere Amtsperiode gewählt. Durch seinen Wahlsieg ermutigt, setzte Johnson
beim Kongreß viele Sozialprogramme durch: Regierungshilfe im Bereich Bildung,
Künste und Geisteswissenschaften; Krankenversicherung für Senioren
(Medicaid); preiswerte Wohnungen und Stadterneuerung. Der Voting Rights Act
von 1965 gab das Wahlrecht schließlich allen afroamerikanischen Amerikanern.
Diskriminierung bei Einwanderern wurde ebenfalls aufgehoben: Die nach
Nationalität ausgerichteten Quoten wurden aufgehoben wodurch mehr
Einwanderungsvisa für Asiaten erhältlich waren. Obwohl die meisten
Amerikaner inzwischen einen guten Lebensstandard erreicht hatten, zeigte das
1962 erschienene Buch "The Other Amerika" Elendsviertel auf - in städtischen
Slums, in den meisten Wohnvierteln von Afroamerikanern und unter den armen
Weißen in den östlichen Appalachen. Präsident Johnson erklärte daraufhin
einen "Krieg der Armut", der besondere Programme im Vorschulalter
für arme Kinder umfaßte, Berufsausbildungen für Schulabbrecher und Jobs in
der Gemeinde für Jugendliche aus den Slums. Vietnamkrieg Im August 1964 meldeten
zwei amerikanische Zerstörer im Golf von Tonkin Angriffe durch
nordvietnamesische Torpedoboote. Im Gegenzug führte Präsident Johnson
Luftangriffe gegen nordvietnamesische Marinestützpunkte durch. Die ersten
amerikanischen Kampftruppen wurden im März 1965 nach Vietnam geschickt. 1968
waren 500000 Soldaten im Land. Zugleich verstärkte die Luftwaffe langsam ihre
Angriffe auf Nordvietnam. Zuerst wurden militärische Ziele angegriffen,
später Industrieanlagen und Kraftwerke bei Hanoi. Demonstrationen gegen die
Beteiligung der Amerikaner an diesem unerklärten, und von vielen als
ungerecht empfundene, Krieg begannen an Universitäten in den USA. Es gab
zahlreiche gewalttätige Zusammenstöße zwischen Studenten und der Polizei. Im
Oktober 1967 marschierten 200 000 Demonstranten zum Pentagon in Washington
und forderten Frieden. Zeitgleich brachen
Unruhen in den Städten aus, als jüngere und militantere afroamerikanische
Anführer die friedlichen Taktiken von Martin Luther King Jr. als uneffektiv
anprangerten. Seine Ermordung in Memphis, Tennessee, im Jahr 1968 löste
Rassenunruhen in mehr als 100 Städten aus. Geschäftsbezirke in
afroamerikanischen Stadtvierteln wurden niedergebrannt und 43 Personen
umgebracht - die meisten waren Afroamerikaner. Eine zunehmende Anzahl Amerikaner
aus allen Bevölkerungsschichten wandte sich gegen die Beteiligung der
Vereinigten Staaten am Indochinakrieg. Bei der Präsidentschaftswahl 1968
mußte sich Präsident Johnson großen Herausforderungen stellen. Am 31. Mai zog
er sich angesichts einer absehbaren peinlichen Niederlage an den Wahlurnen
und eines anscheinend endlosen Konflikts in Vietnam, aus dem Wahlkampf zurück
und bot Verhandlungen über ein Ende des Vietnamkrieges an. Die Wähler
stimmten mit knapper Mehrheit für den Republikaner Richard Nixon. Als
Präsident sprach er das "Mittlere Amerika" an, die "große
schweigende Mehrheit" die über die Gewalt und die Proteste im Land
unglücklich waren. In Indochina verfolgte er
eine Politik der "Vietnamization", und ersetzte langsam
amerikanische durch vietnamesische Soldaten. Aber schwere Bombardierungen
kommunistischer Stützpunkte wurden fortgesetzt und im Frühjahr 1970 sandte
Nixon amerikanische Truppen nach Kambodscha. Diese Vorgehen löste die
stärksten und gewalttätigsten Proteste an amerikanischen Universitäten in der
Geschichte aus. Während einer Demonstration an der Kent State University in
Ohio, tötete die Nationalgarde vier Studenten. Dann, als die
amerikanische Bevölkerung wahrnahm, daß der Krieg beendet wurde, änderte sich
die Situation rapide. Ruhe kehrte in die Universitäten und Städte zurück. Bis
1973 hatte Nixon einen Friedensvertrag mit Nordvietnam unterzeichnete, hatte
amerikanische Soldaten nach Hause gebracht und die Wehrpflicht abgeschafft.
Studenten lehnten zunehmend radikale politische Strömungen ab und
orientierten sich mehr am individuellen Fortkommen. Viele Afroamerikaner
lebten immer noch in Armut, aber Viele fanden endlich Zugang zu gut bezahlten
Beschäftigungen. Die Wahl von Afroamerikanern zu Bürgermeistern in vielen
großen Städten - Cleveland, Newark, Los Angeles, Washington, Detroit, Atlanta
- half Spannungen abzubauen. Jahrzehnte des Wandels Seit dem zweiten
Weltkrieg waren Frauen zunehmend auf dem Arbeitsmarkt. In den 1970ern kämpfte
die Frauenbewegung für die Legalisierung von Abtreibungen, für
Kindertagesstätten, gleiche Gehälter und Berufschancen für Frauen. 1973
verbot der Oberste Gerichtshof die meisten Beschränkunge bei Abtreibungen,
aber diese Entscheidung erschwerte eine intensiv geführten, nationenweite
Diskussion nur noch mehr. Während Feministinnen Abtreibungen als ein
verfassungsmäßiges Recht verteidigen, sahen andere Abtreibungen als
Zerstörung unschuldigen Lebens. Präsident Nixon erreichte
zwei diplomatische Ziele: Wiederaufnahme offizieller Kontakte mit der
Volksrepublik China und die Verhandlung der ersten "Strategic Arms
Limitation Treaty" (SALT I) mit der Sowjet Union. Im Wahlkampf von 1972
schlug er unschwer George McGovern, einen gegen den Krieg eingestellten,
liberalen Demokraten. Während des Wahlkampfes,
jedoch, wurden fünf Männer verhaftet, die in das Hauptquartier der
demokratischen Partei, dem Watergategebäude in Washington, eingebrochen
waren. Journalisten, die den Vorfall untersuchten, entdeckten, daß die Männer
von Nixons Wahlbüro angestellt worden waren. Der Skandal wurde noch
verstärkt, als das Weiße Haus versuchte die Verbindung zum Einbruch zu
vertuschen. 1973 wurde aufgedeckt, daß Präsident Nixon die Gespräche über die
Watergate Affäre auf Band aufgenommen hatte. Kommittes des Kongreß, besondere
Staatsanwälte, Bundesrichter und der Oberste Gerichtshof verlangten vom
Präsidenten die Herausgabe der Aufnahmen, und nach längerem Widerstand wurden
sie endlich publik gemacht. Die Tonbänder zeigten Präsident Nixons direkte
Beteilgung an der Vertuschung. Im Sommer 1974 wurde deutlich, daß der Kongreß
den Präsidenten wahrscheinlich verurteilen und seines Amtes entheben werde.
Am 9. August wurde Richard Nixon der einzige amerikanische Präsident, der von
seinem Amt zurück trat. Der Republikaner Gerald
Ford, der nach dem Rücktritt Richard Nixons Präsident wurde, war sympathisch
und versöhnlich. Ford tat viel um das Vertrauen der Bürger wieder
herzustellen, auch wenn ihm einige Wähler nie für die Begnadigung seines
ehemaligen Vorgesetzten Richard Nixon vergaben. 1976 gewann der Demokrat
Jimmy Carter, ehemals Gouverneur von Georgia, die Präsidentenwahl. Carter
hatte nur begrenzte politische Erfahrung, aber viele Wähler bevorzugten nun
einen "Außenseiter" - jemand, der nicht zu den etablierten Kreisen
in Washington gehörte. Gerade weil er ein
Außenseiter war, hatte Carter Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit dem
Kongreß. Er konnte auch nicht das größte wirtschaftliche Problem der 1970er
Jahre lösen - Inflation. Die Organisation of Petroleum Exporting Countries
(OPEC) hatte die Preise für Öl seit 1973 angehoben, und dies führte zu einer
allgemeinen Preiserhöhung. 1980 lag die Inflation bei jährlich 13,5% und die
Nation durchlitt eine Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Carter
unterzeichnete eine zweite "Strategic Arms LimitationTreaty" (SALT
II) mit der Sowjet Union, aber sie wurde nach der Invasion Afghanistans durch
die Sowjet Union, vom Senat nicht ratifiziert. Er blieb auch in einer anderen
Krise wenig wirksam: 1979 stürmten iranische Radikale die Botschaft der
Vereinigten Staaten in Teheran und nahmen 53 Amerikaner als Geiseln. Carters
größter Erfolg war die Verhandlung des Camp David Abkommens zwischen Israel
und Ägypten, welches zu einem historischen Frieden zwischen den beiden
Nationen führte. Im Wahlkampf von 1980
lehnten die Wähler eine zweite Amtsperiode Carters ab und wählten Ronald
Reagan, einen konservativen Republikaner und ehemaligen Gouverneur von
Kalifornien. Als ein Ergebnis der Wahl errangen die Republikaner erstmals
seit 26 Jahren die Mehrheit im Senat. Indem sie Ronald Reagan einen
überwältigenden Wahlsieg bescherten, signalisierte die amerikanische
Bevölkerung den Wunsch nach einem Wandel in Stil und Inhalt der
amerikanischen Führung. Während seiner gesamten Präsidentschaft zeigte Reagan
die Fähigkeit, den Amerikanern Stolz auf ihr Land und Optimismus für die
Zukunft zu vermitteln. Sofern es ein zentrales
Thema in Reagans nationaler Agenda gab, so war es der Glaube, daß die
Bundesregierung zu groß geworden sei. Bei Amtsantritt 1981 bestanden die
sofortigen Probleme der Regierung in stagnierendem Wirtschaftswachstum, hoher
Inflation und rasant steigenden Zinssätzen. Reagan begann schnell den
Bundeshaushalt grundlegend umzustrukturieren, vor allem im Bereich der
Inlandsausgaben. Reagans Programm basierte auf der Einstellung, daß die
Nation wachsen und wohlhabend sein würde, wenn die Kräfte der
Privatwirtschaft frei gesetzt würden. Die Regierung beantragte und erhielt
auch beachtliche Anhebungen in den Verteidigungsausgaben. Trotz des wachsenden
Bundesetats hatte sich die Wirtschaft bis 1983 erholt, und die Vereinigten
Staaten traten in eine der längsten Perioden ungebrochenen wirtschaftlichen
Wachstums seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Im Amt, wie Eisenhower, während
einer Zeit des relativen Friedens und Wohlstands am Ende der ersten
Amtsperiode, wurden Präsident Reagan und Vizepräsident George Bush mit
überwältigender Mehrheit erneut gewählt. In der Außenpolitik
strebte Präsident Reagan eine größere Rolle für die Nation an. Die
Vereinigten Staaten traten einer Rebellion in El Salvador und dem Regime der
Sandinista in Nicaragua entgegen. 1983 gingen US Truppen in Grenada an Land
um amerikanische Leben zu schützen und ein Regime zu stürzen, die die Macht
nach der Ermordung des gewählten Premierministers an sich genommen hatte. Die
USA schickten auch Friedensstreitkräfte in den Libanon, um eine moderate,
pro-westliche Regierung zu stützen. Die Mission endete tragisch, als 241
amerikanische Soldaten bei einem Terroranschlag ums Leben kamen. 1986 griffen
US Militärkräfte Ziele in Libyen an, nachdem es durch Libyen arrangierte
Angriffe auf amerikanisches Personal in Europa gegeben hatte. Ferner hielten
die Vereinigten Staaten und andere westeuropäische Nationen die
lebenswichtige Passagen für Öltransporte durch den Persischen Golf während
des Iran-Irak Konfliktes frei, indem sie Tanker durch die Kriegszone
begleiteten. Die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjet Union fluktuierten in Reagans Amtszeit
zwischen politischer Konfrontation und weitreichenden Vereinbarungen über
Rüstungsbeschränkungen. Im Dezember 1987 unterzeichneten die USA und die
Sowjet Union die Intermediate Range Nuclear Forces (INF) Treaty, welche die
Vernichtung einer ganzen Kategorie von Raketen beinhaltete. Weitere Versuche
jedoch, massive Einschränkungen im Bereich anderer strategischer Waffen einzuführen
wurden nicht zu Ende geführt, hauptsächlich aufgrund des starken Wunsches der
Reagan Administration die Strategig Defense Initiative (SDI) zu entwickeln,
bekannt auch als "star wars" Raketenabwehrsystem. Nach 24 erfolgreichen
Flügen explodierte am 28. Januar 1986 die Spaceshuttle Challenger 73 Sekunden
nach dem Start. Alle Insassen wurden getötet. Die Challenger Tragödie
erinnerte an die Grenzen der Technologie, zu einer Zeit, als eine andere
technische Revolution, in Computern, die Art und Weise wie Millionen
Amerikaner arbeiten und leben rapide veränderte. In der Mitte des Jahrzehnt
besaßen die Amerikaner schätzungsweise mehr als 30 Millionen Computer. Spät
im Jahr 1988 starteten die USA erfolgreich die neu entwickelte Spaceshuttle
Discovery, die während des ersten Fluges seit der Challenger Katastrophe
einen Satelliten aussetzte. In den Wahlen zum Kongreß
1986 erlitt die Reagan Administration eine Niederlage, als die Demokraten die
Mehrheit im Senat zurück erhielten. Die größte Herausforderung war aber die
Entdeckung, daß die USA heimlich Waffen an den Iran verkauft hatte, in der
Hoffnung, amerikanische Geiseln im Libanon frei zu bekommen und um die
Nicaraguanischen Contras zu finanzieren obwohl dies vom Kongreß verboten
worden war. Während der folgenden Anhörungen im Kongreß wurden grundlegende
Fragen über das Recht der Öffentlichkeit auf Information und die korrekte
Balance zwischen der Exekutive und der Legislative erörtert. Trotz dieser
Schwierigkeiten war Reagan am Ende seiner zweiten Amtszeit ungewöhnlich
beliebt. Reagans Nachfolger,
George Bush, profitierte stark von der Beliebtheit seines Vorgängers. In der
Wahl von 1988 schlug er mit großer Mehrheit den demokratischen Herausforderer
Michael Dukakis. Während seines Wahlkampfes versprach Bush die
Wirtschaftspolitik der Reagan Administration fortzuführen. Er wiederholte
einige von Reagans Einstellungen bei sozialen Themen, wie zum Beispiel eine
strikte Position gegen Abtreibung, und beruhigte zugleich einige von Reagans
Kritikern indem er eine "nettere, freundlichere Nation" verlangte
und seine Verpflichtung hinsichtlich Ausbildung und Schulen bekräftigte. Die Dialog zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjet Union vertiefte und verbreiterte sich im
ersten Jahr der Bush Administration, zu einer Zeit als Unruhe und
beachtenswerte politische Veränderungen in der Sowjet Union und in Osteuropa
stattfanden - am eloquentesten durch die Öffnung der Berliner Mauer im
November 1989 symbolisiert. In den zwei Jahren nach diesem Ereignis wurde die
Welt Zeuge der Auflösung der Sowjet Union und dem Ende seiner dominierenden
Einflußes in Osteuropa. Die Bush Administration förderte das Konzept einer
"neuen Weltordnung", die auf einem neuen Satz internationaler
Realitäten, Prioritäten und Moralvorstellungen basieren sollte. Die Idee einer
"neuen Weltordnung" wurde erstmals geprüft als der Irak im August
1990 in Kuwait mit seinen riesigen Ölvorkommen einfiel. Im Januar 1991, als
der Irak Resolutionen der Vereinten Nationen, die seinen Rückzug aus Kuwait
erzwingen sollte, nicht beachtete, befreiten amerikanische Truppen, die Teil
einer multinationalen Koalition waren, Kuwait und errangen einen schnellen
und eindeutigen Sieg. Sofort im Anschluß an den Sieg übernahm die Bush
Administration die Leitung und brachte die jahrhundertealten Antagonisten im
Mittleren Osten zu einer Reihe beispielloser Friedenskonferenzen zusammen.
Als die Präsidentschaftswahl 1992 bevorstand, konzentrierte sich Präsident
Bush verstärkt auf innenpolitische Themen und Probleme, zum Beispielt die
wirtschaftliche Rezension, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Bildung und das
Gesundheitswesen |